Arbeitssucht

Arbeitssucht (oder im Englischen als Workaholic benannt) äußert sich in einem übermäßigen und unkontrollierten Verlangen nach Arbeit. Arbeit nimmt im täglichen Leben des Betroffenen zunehmend mehr Raum ein  die über ihre übliche Arbeitszeit hinaus auch noch einen Großteil ihrer Freizeit, oder sogar ihre komplette Freizeit, auch Wochenenden oder Feiertage, mit Arbeit ausfüllen. Dabei ist diese Art der Sucht ein Problem, das in allen Gesellschaftsschichten zu finden ist. Arbeitssüchtige merken oftmals nicht, dass sie  Problem haben. Der Arbeitssüchtige wirkt anfangs erfolgreich und aktiv. Doch irgendwann stellt sich heraus, dass er ohne seine Arbeit nicht mehr leben kann, die Arbeitstage werden immer länger und intensiver. Bei Arbeitssüchtigen wird genauso wie bei anderen Süchten, Adrenalin freigesetzt. Dabei kommt der Adrenalinstoß dann, wenn der Arbeitnehmer eigentlich schon völlig überfordert ist. Ein gefährlicher Teufelskreis beginnt, in dem Familie und Freunde meistens ganz hinten anstehen. In der Psychologie und Medizin wird zwischen zwischen substanz- und verhaltensbezogenen Abhängigkeiten unterschieden, zu denen auch die Arbeitssucht gehört. Als krankhaftes Verhaltensmuster ist Arbeitssucht jedoch noch nicht sozialrechtlich anerkannt. Anders als bei von Magersucht oder Spielsucht Betroffenen.

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Arbeitssucht ist durch folgende Kriterien kenngezeichnet:

  • Die Zentrierung des gesamten Vorstellungs- und Denkraumes auf die Arbeit

  • Auftreten von Entzugserscheinungen bei gewolltem oder erzwungenem Nicht-Arbeiten (bis hin zu vegetativen Symptomen)

  • Kontrollverlust (die Unfähigkeit, Umfang und Dauer des Arbeitsverhaltens zu bestimmen) Abstinenzunfähigkeit (es wird subjektiv als unmöglich erlebt, kürzere oder längere Zeit nicht zu arbeiten)

  • Toleranzentwicklung (zur Erreichung angestrebter Gefühlslagen/Bewusstseinszustände muss immer mehr gearbeitet werden)

  • Auftreten psychosozialer und/oder psychoreaktiver Störungen.

 

Mit der ständigen Aktivität flüchten Arbeitssüchtige vor persönlichen Problemen (z.B. negativen Gefühlen, Selbstzweifeln, Schicksalsschlägen, Versagensängsten, Furcht vor innerer Leere, Wut, familiärer Überforderung, traumatische Erlebnisse, Lebenskrisen etc.). So lange sie etwas tun, müssen sie sich nicht mit diesen belastenden Gefühlen auseinandersetzen, sondern können sie verdrängen, abblocken, fern halten, sich ablenken.Das Motiv, sich exzessiv in Arbeit zu stürzen, ist also das gleiche, wie bei anderen Süchten: Es dient dem Versuch, unliebsame oder schmerzhafte Gefühle, Erkenntnisse und Wirklichkeiten zu verdrängen.

Die Krankheit wird in vier Stadien eingeteilt

  1. Anfangsphase: Die Arbeit nimmt immer größere Teile des Lebens (und der Freizeit) in Anspruch. Heimliches Arbeiten beginnt. Auch in der noch verbleibenden Freizeit wird an die Arbeit gedacht. Private Interessen und Pflichten werden zunehmend vernachlässigt. Partner und Kinder kommen oftmals zu kurz.
  2. Kritische Phase: Der übertriebene Arbeitseinsatz wird zu rechtfertigen versucht. Alle privaten Bereiche werden der Arbeit untergeordnet. Die Arbeit wird nicht mehr vollständig bewältigt und gehortet; erste Erschöpfungssymptome stellen sich ein.
  3. Chronische Phase: Es werden immer mehr Aufgaben übernommen und Belastungen gesucht. Als Folge von Perfektionismus wird die ideale Person für die Bearbeitung stets in sich selbst gesehen. Das gesamte Privatleben hat keine Bedeutung mehr. Schwere Depressionen, Angstzustände und Herz-Kreislauf-Störungen können auftreten.
  4. Endphase: Krankhafte Folgeerscheinungen treten auf. Es kommt zu einem massiven Knick in der Leistungsfähigkeit. Workaholics werden oft schon Mitte 50 arbeitsunfähig oder sterben sehr früh.

Die japanische Gesellschaft, in der Arbeitssucht sehr häufig auftritt, hat für dieses „sich zu Tode arbeiten“ sogar einen eigenen Begriff geprägt : Karoshi. Die Opfer dieser Erkrankung hatten in ihrem Leben keine größeren gesundheitlichen Probleme, sie waren „nur“ arbeitssüchtig.

Risikogruppen: Wer ist besonders gefährdet gegen Arbeitssucht?

Arbeitssucht kommt in allen Gesellschaftsschichten vor. Es gibt jedoch Berufe und Arbeitsumfelder, in denen Menschen überdurchschnittlich häufig betroffen sind: Wer in helfenden-sozialen Berufen arbeitet, etwa als Arzt oder Altenpfleger, gehört dazu. Ebenso sind Personen die an einem Langzeit-Projekt arbeiten sind betroffen, genauso wie Mangager.

Nicht nur die Leidenschaft für einen Beruf oder das Gefühl der Unersetzlichkeit kann zu Arbeitssucht führen. Auch Menschen die mehr Geld verdienen müssen. Vor allem aber unter Selbstständigen finden sich relativ mehr Arbeitssüchtige als unter Angestellten.

Hinzu kommen Veranlagungen und Lebenssituationen, die das Risiko, arbeitssüchtig zu werden, erhöhen.

  • Menschen, die in ihrem Job vielmehr Berufung als Beschäftigung sehen und auf der ständigen Suche nach Sinn und Erfüllung sind, gelten als anfällig.
  • Perfektionisten häufen Arbeit an, weil sie vieles lieber selbst erledigen wollen anstatt es anderen zu überlassen.
  • Charaktere, die einen ausgeprägten Selbstdarstellungsdrang haben, der nicht selten einhergeht mit einem Minderwertigkeitskomplex, definieren sich allzu sehr über ihre Arbeit.
  • Wer einen Bürojob hat kann Arbeit eher mit nach Hause nehmen, als ein Werkzeugmacher oder Fachverkäufer. Auch das Fehlen von festen Arbeitszeiten begünstigt die Arbeitssucht.

 

Psychoanalytische Therapie:

Für die Psychotherapie bei der Arbeitssucht ist es hilfreich, persönlichkeitsabhängige Arbeitsstile zu unterscheiden um zu verstehen, welche neurotischen Konfliktlösungsversuche dem süchtigen Arbeitsverhalten zugrunde liegen können:

  • Der einsam-schizoide Arbeitsstil der Arbeitssucht
  • Der egozentrisch-narzisstische Arbeitsstil der Arbeitssucht
  • Der abhängig-depressive Arbeitsstil der Arbeitssucht
  • Der kontrolliert-zwanghafte Arbeitsstil der Arbeitssucht
  • Der vermeidend-phobische Arbeitsstil der Arbeitssucht
  • Der wetteifernd-rivalisierende Arbeitsstil der Arbeitssucht

 Im einem weiteren Schritt werden zusammen mit dem Patienten günstigere Bewältigungsstrategien entwickelt.

Lösungsorientierung als zweites therapeutisches Grundkonzept

Neben den in der Person liegenden Variablen sind in einem zweiten Schritt die Arbeitsbedingungen zu erheben, denn es macht einen großen Unterschied, ob man selbständig arbeitet oder aber in einem Kleinbetrieb oder aber in einem Großbetrieb angestellt ist. Auch die Tätigkeit als Angestellter, als Beamter bestimmt in charakteristischer Weise die Arbeitsrealität.bei der Arbeitssucht. Es macht für das Arbeitserleben auch einen großen Unterschied, ob man mit hohen Idealvorstellungen, die weit über das Geldverdienen hinausgehen. Ziel dieses lösungsorientierten Vorgehens ist die Neustrukturierung von Copingmechanismen im Umgang mit den externen beruflichen Anforderungen, aber auch dem eigenen Anspruchsniveau. Weiter geht es um die Erschließung von Befriedigungsquellen außerhalb dse beruflichen auf Grundlage der Ressourcen des Patienten in seiner beruflichen und sozialen Realität.

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